Die ehemalige Evangelische Volksschule

4. Teil: 1939-1946
Mit der reichsweiten Auflösung der Konfessionsschulen zugunsten der neu eingeführten Gemeinschaftsschulen schloss am 1. April 1939 auch die Evangelische Volksschule Boppard. Daraufhin wurden die Kinder je nach Alter den entsprechenden Jahrgangsklassen der gut gegliederten, nunmehr simultan geführten Karmeliterschule zugewiesen, und Lehrer Lorenz Heckel trat in deren Kollegium ein.

Zweieinhalb Jahre später, am 30. Oktober 1941, konnte man endlich den Neubau beziehen, der in der Straße Auf der Zeil errichtet worden war.

Aber bereits seit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. Sep-tember 1939 hatte Fliegeralarm das planmäßige Lernen behindert. Weil er sich immer weiter verstärkte und infolgedessen zunehmend zur Unterbrechung des Unterrichts zwang, musste dieser Anfang September 1944 wegen der zu großen Gefahren allgemein eingestellt werden. Daraufhin ordnete die Behörde am 14. September die vollständige Schließung der Schule an. Ersatzweise erhielten die Kinder ab 6. September vormittags von ihren jeweiligen Klassenlehrern Gruppenunterricht in Wohnräumen, die die Eltern hierfür bereitwillig zur Verfügung stellten. Doch die sich immer weiter verschärfende Kriegssituation zwang dazu, schon mit Beginn der Weihnachtsferien selbst diese Übungsstunden aus Sicherheitsgründen aufzugeben und vom 3. Januar 1945 an jegliche Form der schulischen Betreuung zu verbieten.

Nach Kriegsende verfügte die französische Besatzungsmacht die Wiederaufnahme des Unterrichts am 1. Oktober 1945, und zwar erneut simultan im Karmelitergebäude. Bereits am 15. Oktober 1945 führte sie dann auch die Bekenntnisschulen wieder ein, worauf Lehrer Lorenz Heckel abermals die einklassige Evangelische Volksschule Boppard übernahm.

Große Sorgen bereitete jedoch bereits im Vorfeld die äußerst un-befriedigende Raumsituation, denn das im Zweiten Weltkrieg be-zogene neue Schulgebäude war auf nicht absehbare Zeit von der Besatzung beschlagnahmt worden und das frühere Klassenzimmer im alten Pfarrhaus wegen erheblicher Kriegsschäden vorerst nicht nutzbar. Deshalb blieb der Evangelischen Volksschule nur die Möglichkeit, ihren Unterricht am 19. Oktober in einem Raum des Karmelitergebäudes aufzunehmen. Diesen musste sie aber mit der Katholischen Volksschule teilen, die ihrerseits mit 556 in 13 Klassen zu unterrichtenden Schülern aufgrund der Inanspruchnahme von Räumen durch andere Stellen auf nur fünf nutzbare Säle beschränkt war. Infolgedessen gehörten Schichtunterricht und erhebliche Stundenkürzungen zur Tagesordnung und machten einen geordneten Unterrichtsbetrieb nur sehr schwer möglich.

Am 9. Mai 1946 wurde das mittlerweile wieder notdürftig instandgesetzte Klassenzimmer im alten Pfarrhaus zur Unter-bringung einer französischen Besatzungsschule beschlagnahmt. Nach der völlig überraschenden Freigabe mietete die Stadt Boppard es dann aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Karmelitergebäude wieder unverzüglich an, sodass die Evangelische Volksschule es bereits ab 21. Oktober erneut für ihre Zwecke nutzen konnte und nach etwas mehr als einem Jahr wieder angemessen untergebracht war.

Als schwierig erwies sich auch die Durchführung des Unterrichts, denn die insgesamt 53 Schüler waren zuvor in 16 verschiedenen Klassen zum Teil unterschiedlicher Schulen unterrichtet worden. Darunter befanden sich zahlreiche Flüchtlings- und Evakuiertenkinder, von denen viele bis zu zwei Jahre lang überhaupt keine Schule mehr besucht hatten, und so war der Leistungsstand in-nerhalb der einzelnen Altersgruppen völlig unterschiedlich.

Hildegard Tschenett

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