Die Glocken der Christuskirche

Als der Gründungsbau der Christuskirche fertiggestellt war, hing in dem schmalen Dachreiter, der die vordere Giebelspitze zierte, eine kleine, hell tönende Glocke, und erst im Zusammenhang mit dem von 1885 bis 1887 vorgenommenen Erweiterungsbau entstand der jetzige Glockenturm für ein dreistimmiges Geläut.

Bei der Auswahl der Töne fis, e und cis für die drei nun neu zu beschaffenden Glocken war großer Wert darauf gelegt worden, dass sie einerseits in sich ein wohlklingendes Geläute ergeben und sich andererseits auch harmonisch in das der katholischen Pfarrkirche St. Severus einfügen.

Die Glocken wurden in der Gießerei Andreas Hamm in Frankenthal gegossen. Während die Gemeinde für die Finanzierung der mittelgroßen selbst aufkommen musste, wurden die kleine und die große von Gemeindemitgliedern gestiftet.

Bereits am 5. August 1887 fand die feierliche Weihe statt.

Nach fast dreißig Jahren fiel das Geläut jedoch der Materialnot des Ersten Weltkrieges zum Opfer, die zu einer Beschlagnahmung aller Kirchenglocken führte. Da jede Kirche eine behalten durfte, kamen für die Christuskirche nur die beiden großen zur Abgabe, die in der Woche nach Pfingsten 1917 von zwei damit beauftragten Arbeitern im Turm zerschlagen und einige Zeit später abtransportiert wurden. Ein Bruchstück davon, das die Worte ,,IN BOPPARD IM” trägt, erinnert noch heute im Kircheninneren gleich links neben dem Ausgang für jeden sichtbar eingemauert an sie.

Aufgrund der rapid verlaufenden Inflation war es nach dem Krieg zunächst unmöglich, Ersatz zu beschaffen, sodass erst im Frühjahr 1926 zwei neue Glocken mit denselben Tönen e und cis, die schon die beiden beschlagnahmten gehabt hatten, bei der Gießerei Hamm in Auftrag gegeben werden konnten.

Am 3. Juli 1926 erfolgte ihre feierliche Einholung vom Güterbahnhof aus, und am 11. Juli wurden sie nach festlicher Weihe in den Dienst der Christuskirche gestellt.

Ein elektrisches Antriebswerk folgte bald danach am 3. Oktober 1927.

Diesem Geläut widerfuhr jedoch im Zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal wie dem vorherigen, denn im Mai 1942 mussten abermals die beiden größeren Glocken zwecks Verwendung als Kriegsmaterial abgegeben werden.

Erst 1948, nach Einführung der D-Mark, gelang es, dank privater Spenden sowie der Bereitstellung öffentlicher Gelder neue Glocken anzuschaffen, wobei die Firma Hamm/Sohn die im Turm verbliebene kleine unentgeltlich gegen eine neue, ihr genau entsprechende, eintauschte.

Nachdem das Geläut am 17. September 1955 gegossen worden war, traf es am Abend des 3. Oktobers mit einem LKW in Boppard vor der Christuskirche ein, da das Presbyterium dieses Mal auf Grund der angespannten Verkehrssituation in der Bopparder Innenstadt von der üblichen feierlichen Einholung und einem Festzug abgesehen hatte.

Am 9. Oktober fand der feierliche Weihegottesdienst statt.

Im Zuge der großen Renovierung der Christuskirche von 1992 bis 1995 ersetzte man zur akustischen Verbesserung des Geläuts und zwecks Schonung des Turms im September 1995 den stählernen Glockenstuhl und die stählernen Lamellen vor den Glockenstuhlfenstern durch Holzkonstruktionen.

Mögen diesem Geläut und allen anderen Kirchenglocken nur Zeiten des Friedens gegönnt sein.

 

Hildegard Tschenett

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